Vorgesetzte sind oft die ersten Ansprechpartner für Mitarbeiter, wenn diese Fehlverhalten beobachten oder erleben.
Laut einer von Safecall durchgeführten Studie ziehen es über75 % der Mitarbeiter vor, Probleme am Arbeitsplatz ihrem Vorgesetzten zu melden. Dieses Vertrauen ist ein positives Zeichen für die Unternehmenskultur – aber es bedeutet auch eine große Verantwortung für Führungskräfte, angemessen zu reagieren.
Unsere neuesten Untersuchungen mit People Management zeigt jedoch, dass zwischen dieser Verantwortung und der Unterstützung, die Manager erhalten, eine Lücke besteht.
Die Realität: vertrauenswürdig, aber unvorbereitet
Vorgesetzte genießen in der Regel hohes Ansehen bei ihren Teams. Sie gelten als zugänglich, hilfsbereit und unverzichtbar für den täglichen Betrieb. Wenn es jedoch um Whistleblowing geht, sind viele von ihnen unzureichend vorbereitet.

Unsere Umfrage unter 249 leitenden Personalverantwortlichen aus verschiedenen Organisationen ergab Folgendes:
- 68 % der Vorgesetzten befassen sich jedes Jahr mit mindestens einem Fall von Fehlverhalten.
- 17 % befassen sich wöchentlich mit solchen Anliegen.
- Dennoch gaben nur 28 % der Personalverantwortlichen an, dass ihre Führungskräfte eine spezielle Schulung zu den Whistleblowing-Gesetzen erhalten hätten.
- Von den geschulten Mitarbeitern frischen nur 35 % ihr Wissen jährlich auf.
Diese Diskrepanz birgt ein ernsthaftes Risiko. Wenn Bedenken falsch gehandhabt werden, drohen Unternehmen Arbeitsgerichtsverfahren, finanzielle Strafen und Reputationsschäden.
Was sollten Vorgesetzte wissen?
Um Whistleblowing effektiv zu handhaben, müssen Vorgesetzte Folgendes verstehen:
- Was ist eine geschützte Offenlegung?
- Die Grundlagen der Whistleblowing-Gesetzgebung und die rechtlichen Verpflichtungen ihrer Organisation
- Wie man Mitarbeiter dazu ermutigt, ihre Meinung zu sagen
- Wie man angemessen reagiert, wenn Bedenken geäußert werden
- Wie man Whistleblower vor Vergeltungsmaßnahmen oder Nachteilen schützt

Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass:
- Nur 55 % der Befragten glauben, dass ihre Vorgesetzten wissen, wie sie Mitarbeiter dazu ermutigen können, ihre Meinung zu sagen.
- Nur 41 % sind zuversichtlich, dass Manager wissen, wie sie auf Bedenken reagieren sollen.
- Weniger als 30 % glauben, dass ihre Vorgesetzten wissen, wie man Whistleblower vor Vergeltungsmaßnahmen schützt.
Die Vertrauenslücke
Auf die Frage, wie zuversichtlich sie seien, dass Führungskräfte die wichtigsten Aspekte der Whistleblowing-Regelungen verstanden hätten:
| Fläche | % sicher oder sehr sicher |
| Mitarbeiter dazu ermutigen, ihre Meinung zu sagen | 55% |
| Auf Bedenken reagieren | 41% |
| Geschützte Offenlegungen verstehen | <50% |
| Gesetzgebung verstehen | 46% |
| Schutz von Whistleblowern | <30% |
Diese Zahlen deuten auf einen weit verbreiteten Mangel an Vorbereitung hin – trotz der Häufigkeit, mit der Manager angesprochen werden.
Vertrauen aufbauen, um die Kultur des offenen Meinungsaustauschs zu stärken
Zwar genießen viele Vorgesetzte das Vertrauen ihrer Teams, doch gibt es noch Verbesserungspotenzial, wenn es darum geht, dass sich die Mitarbeiter vollkommen sicher fühlen, wenn sie Bedenken äußern. In unserer Umfrage gab ein Drittel der Personalverantwortlichen an, dass sie sich nicht sicher sind, ob die Mitarbeiter sich trauen, Probleme ihrem Vorgesetzten zu melden.
Durch Investitionen in Schulungen, Kommunikation und kontinuierliche Unterstützung können Unternehmen den Kreislauf aus unzureichender Meldung und geringem Bewusstsein durchbrechen. Wenn sich Mitarbeiter sicher fühlen, sich zu äußern, führt dies zu:
- Größere Sichtbarkeit von Arbeitsplatzproblemen
- Stärkere, proaktivere Reaktionen
- Eine Kultur der Offenheit und Verantwortlichkeit
- Erhöhtes Vertrauen in die Werte und Prozesse der Organisation
Mit der richtigen Unterstützung können Vorgesetzte zu starken Fürsprechern für Integrität werden und dazu beitragen, einen Arbeitsplatz zu schaffen, an dem jede Stimme gehört wird.
Sarah Vause, Leiterin Governance, Risk & Assurance bei NG Bailey, drückt es so aus:
„Da wir uns bewusst sind, dass Führungskräfte die ersten Ansprechpartner für die Anliegen der Mitarbeiter sind, führen wir aktiv Schulungen durch, um ihnen die Fähigkeiten, Kenntnisse und das Selbstvertrauen zu vermitteln, die sie benötigen, um Probleme effektiv zu lösen.“
Was können Organisationen tun?
Die Schaffung eines widerstandsfähigen und vertrauenswürdigen Umfelds für Whistleblowing beginnt damit, die Menschen zu stärken, die im Mittelpunkt stehen – Ihre Vorgesetzten. Hier erfahren Sie, wie Unternehmen sinnvolle Maßnahmen ergreifen können, um eine starke Kultur des offenen Mutes aufzubauen und aufrechtzuerhalten:
- Investieren Sie in die Schulung von Vorgesetzten – bieten Sie umfassende, kontinuierliche Schulungen an, die sich mit den Gesetzen zum Whistleblowing, den Merkmalen einer geschützten Offenlegung und dem effektiven und einfühlsamen Umgang mit Bedenken befassen.
- Schaffen Sie Vertrauen durch offenen Dialog – fördern Sie regelmäßige, transparente Kommunikation. Befähigen Sie Führungskräfte, sichere, unterstützende Räume zu schaffen, in denen Mitarbeiter sich trauen, Bedenken zu äußern.
- Machen Sie Richtlinien praktisch und sichtbar – stellen Sie sicher, dass Whistleblowing-Richtlinien nicht nur schriftliche Dokumente sind, sondern lebendige Instrumente – die in Besprechungen diskutiert, in Schulungen erwähnt und in alltägliche Gespräche eingebettet werden.
- Feiern Sie das Aussprechen von Bedenken – heben Sie positive Ergebnisse hervor, die sich daraus ergeben, dass Mitarbeiter Bedenken äußern. Verstärken Sie die Botschaft, dass das Aussprechen von Bedenken zu sinnvollen Veränderungen führt und vom Unternehmen geschätzt wird.
- Kontinuierliche Überwachung und Verbesserung – Nutzen Sie Feedback von der Personalabteilung, Vorgesetzten und Mitarbeitern, um die Wirksamkeit Ihres Whistleblowing-Programms zu bewerten. Regelmäßige Überprüfungen helfen dabei, zu erkennen, was funktioniert und wo Verbesserungen möglich sind.
- Schließen Sie Wissenslücken – passen Sie Schulungen an bestimmte Bereiche an, in denen Führungskräfte möglicherweise mehr Unterstützung benötigen. Wenn Sie sicherstellen, dass sie ihre Verantwortlichkeiten verstehen, schaffen Sie Vertrauen und Einheitlichkeit im gesamten Unternehmen.
Abschließende Gedanken
Vorgesetzte sind die erste Anlaufstelle Ihres Whistleblowing-Programms. Sie genießen das Vertrauen ihrer Mitarbeiter – sind jedoch oft unzureichend vorbereitet. Durch Investitionen in ihre Schulung und Unterstützung können Unternehmen Risiken reduzieren, Vertrauen aufbauen und eine Kultur schaffen, in der sich Mitarbeiter sicher fühlen, ihre Meinung zu äußern.
Eine positive Kultur des offenen Meinungsaustauschs entsteht nicht zufällig. Sie erfordert Absicht, Investitionen und kontinuierliche Anstrengungen – von der obersten bis zur mittleren Führungsebene.
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