Was jeder Arbeitgeber wissen sollte
Die Prävention sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ist nicht nur eine rechtliche Pflichtübung – sie beeinflusst auch das tägliche Wohlbefinden der Menschen am Arbeitsplatz.
Es wirkt sich auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter, die Teamdynamik und den Ruf des Unternehmens aus. Trotz wachsenden Bewusstseins haben viele Arbeitgeber – ebenso wie Führungskräfte und Mitarbeiter – immer noch Schwierigkeiten zu definieren, was sexuelle Belästigung ist, wie sie sich äußert und welche proaktiven Maßnahmen sie zu ihrer Verhinderung ergreifen sollten.
Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Punkte zusammen, die jeder Arbeitgeber wissen muss, um einen sichereren und respektvolleren Arbeitsplatz zu schaffen – basierend auf den Erkenntnissen von Experten aus unserem aktuellen Webinar.
Was ist sexuelle Belästigung?
Gemäß dem britischen Gleichstellungsgesetz von 2010 wird sexuelle Belästigung wie folgt definiert:
„Wenn eine Person unerwünschten Handlungen sexueller Natur ausgesetzt ist, die den Zweck oder die Wirkung haben, die Würde einer Person zu verletzen oder ein einschüchterndes, feindseliges, erniedrigendes, demütigendes oder beleidigendes Umfeld zu schaffen.“
Dazu gehören auch Situationen, in denen jemand weniger günstig behandelt wird, weil er sich einem solchen Verhalten unterworfen oder es abgelehnt hat.
Eve Maxwell, Leiterin der Schulungsabteilung bei Safecall, erklärt:
„Es geht nicht darum, ob jemand die Absicht hatte, jemanden zu beleidigen – es geht darum, welche Auswirkungen sein Handeln auf die betreffende Person hat.“
Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass diese Definition in ihrem gesamten Unternehmen klar verstanden wird – nicht nur in Richtlinien, sondern auch durch Schulungen und die tägliche Unternehmenskultur.
Wie sieht sexuelle Belästigung aus?
Sexuelle Belästigung kann viele Formen annehmen:
- Verbal: unangemessene Kommentare, Witze oder sexuelle Anspielungen.
- Nonverbal: Starren, Gesten oder das Zeigen anstößiger Materialien.
- Körperlich: unerwünschte Berührungen oder Annäherungsversuche.
- Digital: unangemessene Nachrichten, E-Mails oder Interaktionen in sozialen Medien.
Dies kann persönlich oder online geschehen. Wichtig ist, dass bereits das Beobachten unangemessenen Verhaltens ein feindseliges Umfeld schaffen kann.
Warum die Prävention sexueller Belästigung am Arbeitsplatz für alle Arbeitgeber wichtig sein sollte
Mehr als 40 % der Frauen geben an, dass sie irgendwann in ihrem Berufsleben sexuelle Belästigung erlebt haben. Aber das ist nicht nur ein Problem von Frauen – auch Männer und nicht-binäre Personen erleben sexuelle Belästigung, und marginalisierte Gruppen wie LGBTQ+-Mitarbeiter, ethnische Minderheiten und Menschen mit Behinderungen sind davon überproportional betroffen.
Die Folgen für Organisationen sind unter anderem:
- Geringeres Engagement und geringere Leistung der Mitarbeiter
- Erhöhte Fehlzeiten und Fluktuation
- Beschädigte Teammoral und Vertrauen
- Rechtliche Risiken und Reputationsrisiken
Christine Young, Partnerin für Arbeitsrecht bei Herbert Smith Freehills Kramer, merkte an:
„Arbeitgeber im Vereinigten Königreich sind nun gesetzlich verpflichtet, angemessene Maßnahmen zur Verhinderung sexueller Belästigung zu ergreifen – und diese Schwelle dürfte in nicht allzu ferner Zukunft auf „alle angemessenen Maßnahmen“ angehoben werden.“
Was Arbeitgeber tun müssen
1. Risikobewertungen durchführen
Verstehen Sie, wo in Ihrem Unternehmen Risiken für Belästigungen bestehen. Eve Maxwell betonte:
„Es geht darum, die Erfahrungen Ihrer Mitarbeiter aus deren Perspektive zu betrachten und Maßnahmen zu ergreifen, bevor eine Meldung erfolgt.“
2. Klare, zugängliche Richtlinien implementieren
Richtlinien müssen mehr als nur ein Dokument sein – sie sollten aktiv kommuniziert und verstanden werden. Christine Young riet:
„Verfügen Sie über aktuelle Richtlinien, die Belästigungen verbieten und erklären, wie diese gemeldet werden und wie damit umgegangen wird.“
3. Schulungen anbieten
Schulungen sind unerlässlich – nicht nur, um das Bewusstsein zu schärfen, sondern auch, um Führungskräfte in die Lage zu versetzen, angemessen zu reagieren. Eve betonte:
„Vorgesetzte sind das Bindeglied, das alles zusammenhält. Sie geben den Ton an, was akzeptabel ist. Sie sind in einer hervorragenden Position, um unangemessenes Verhalten in ihren Teams zu erkennen, und sie sind oft die ersten Ansprechpartner für Mitarbeiter, wenn diese ein Problem ansprechen möchten.“
4. Bieten Sie mehrere Meldewege an
Nicht jeder fühlt sich wohl dabei, sensible Themen intern zu melden. Deshalb ist es wichtig, auch externe Optionen anzubieten, darunter anonyme oder halb-anonyme Hotlines. Diese Kanäle können Einzelpersonen dabei helfen, sich zu äußern, wenn sie sonst vielleicht schweigen würden.
Die Call-Handler von Safecall, allesamt ehemalige Polizeibeamte, sind darin geschult, mit schwierigen Situationen behutsam umzugehen. Damit sind sie bestens geeignet, Personen zu unterstützen, die sich unsicher sind oder Angst haben, sich zu melden.
Wie Tim Smith von Safecall feststellte:
„Anonymität zu gewährleisten ist für uns das Wichtigste. Wir helfen dabei, Vertrauen aufzubauen, damit sich Einzelpersonen später dafür entscheiden können, ihren Namen zu nennen, was dann bei den Ermittlungen hilft.“
5. Sofortige und unabhängige Untersuchung
Wenn eine Meldung erfolgt, ist es wichtig, schnell und fair zu handeln. Verzögerungen oder schlecht durchgeführte Untersuchungen können das Vertrauen untergraben und das Unternehmen rechtlichen Risiken aussetzen.
Wie Christine Young hervorhob:
„Eine unzureichende Untersuchung kann zu Klagen vor dem Arbeitsgericht und einer Erhöhung der Entschädigungssumme um bis zu 25 % führen.“
Untersuchungen sollten von jemandem durchgeführt werden, der über die richtige Ausbildung und das Bewusstsein für kulturelle und kontextuelle Sensibilitäten verfügt. Tim Smith fügte hinzu:
„Die Ernennung des richtigen Ermittlers – einer Person, die entsprechend ausgebildet und kulturell sensibilisiert ist – ist entscheidend für den Erfolg.“
Eine gut durchgeführte Untersuchung trägt nicht nur zu fairen Ergebnissen bei, sondern signalisiert den Mitarbeitern auch, dass das Unternehmen diese Angelegenheiten ernst nimmt.
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz verstehen
Das Verständnis von sexueller Belästigung ist der erste Schritt. Für Arbeitgeber liegt die eigentliche Verantwortung jedoch in der Prävention, Reaktion und Unternehmenskultur. Durch proaktive Maßnahmen können Unternehmen ihre Mitarbeiter schützen, gesetzliche Verpflichtungen erfüllen und einen Arbeitsplatz schaffen, an dem sich alle sicher und respektiert fühlen.
In unserem nächsten Beitrag werden wir uns mit den realen Auswirkungen sexueller Belästigung befassen – und damit, warum es nicht nur richtig ist, dagegen vorzugehen, sondern auch eine geschäftliche Notwendigkeit.
Praktische Ratschläge und Schulungen
CPD-zertifizierte Schulungen zum Thema „Umgang mit sexueller Belästigung“ werden von Teams angeboten. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Schulungsseite.