Datenschutz vs. Transparenz – rechtliche Überlegungen zu digitalen Beweismitteln

Da digitale Kommunikation bei Untersuchungen am Arbeitsplatz eine zentrale Rolle spielt, stehen Unternehmen vor einer wachsenden Herausforderung: Wie lässt sich das Bedürfnis nach Transparenz mit dem gesetzlichen Recht auf Privatsphäre in Einklang bringen? In unserem aktuellen Webinar Behind the Screenshaben die Rechtsexpertin Christine Young und der Spezialist für digitale Forensik Jim Vint die komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen rund um WhatsApp, Signal und andere Messaging-Plattformen erläutert.

Christine Young, Partnerin bei Herbert Smith Freehills Kramer LLP, hob fünf wesentliche rechtliche Risiken beim Zugriff auf digitale Nachrichten auf privaten Geräten hervor:

  1. Aufbewahrung von Aufzeichnungen
    Nachrichten auf persönlichen Geräten werden nicht auf Unternehmenssystemen gespeichert, was die Aufrechterhaltung eines zuverlässigen Prüfpfads erschwert – insbesondere in regulierten Branchen.
  2. Datenschutz
    Arbeitgeber verlieren die Kontrolle darüber, wie Daten gespeichert, verwendet oder gelöscht werden, wenn sie sich außerhalb ihrer Infrastruktur befinden.
  3. Vertraulichkeits
    Sensible Geschäftsinformationen auf privaten Geräten können ohne Wissen des Arbeitgebers offengelegt oder missbräuchlich verwendet werden.
  4. Zuverlässigkeit von Beweisen
    Nachrichten können bearbeitet, gelöscht oder selektiv weitergegeben werden. Ohne einen vollständigen Prüfpfad ist es schwierig, die Authentizität zu überprüfen.
  5. Regulatorisches Risiko
    Unternehmen können mit Geldstrafen belegt werden, wenn sie Off-Channel-Kommunikation nicht aufzeichnen oder überwachen. Christine verwies auf die Geldstrafe in Höhe von 5,4 Millionen Pfund, die Morgan Stanley von Ofgem wegen der Nicht-Aufzeichnung von WhatsApp-Nachrichten zwischen Händlern auferlegt wurde.

Datenschutzrechte vs. geschäftliche Anforderungen

Mitarbeiter berufen sich häufig auf Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (Recht auf Privatsphäre), wenn sie sich gegen den Zugriff auf persönliche Nachrichten wehren. Aber wie Christine erklärte:

„Nur weil jemand sagt, dass etwas privat ist, bedeutet das nicht, dass es tabu ist. Wenn es sich um geschäftliche Kommunikation handelt oder für eine Untersuchung relevant ist, können Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse daran haben, darauf zuzugreifen.“

Der Schlüssel ist Verhältnismäßigkeit. Arbeitgeber müssen:

  • Suchen Sie nur das Nötigste
  • Verwenden Sie die am wenigsten invasive Methode.
  • Dokumentieren Sie die Gründe und den Prozess klar und deutlich.

Praktische Leitlinien für Ermittler

Jim Vint, Geschäftsführer bei Secretariat, fügte hinzu, dass viele Messaging-Plattformen Peer-to-Peer-Übertragung verwenden, was bedeutet, dass Nachrichten nur auf den Geräten selbst gespeichert werden – nicht auf Servern. Dadurch werden herkömmliche Aufbewahrungsinstrumente unwirksam und der Bedarf an forensischem Fachwissen steigt.

„Je früher Sie Forensikexperten hinzuziehen – egal ob intern oder extern –, desto besser. Sie helfen dabei, Daten zu validieren, Metadaten zu sichern und die Beweiskette aufrechtzuerhalten.“

Christine betonte auch, wie wichtig es ist, klare Richtlinien zu haben:

  • BYOD-Richtlinien (Bring Your Own Device)
  • Datenschutzhinweise, die erklären, wie auf Daten zugegriffen werden kann
  • Schulung für Führungskräfte und Mitarbeiter zum Thema akzeptable Nutzung

Wichtige Informationen für Arbeitgeber

Um die rechtlichen Risiken digitaler Beweismittel zu umgehen:

  • Aktualisieren Sie Ihre Richtlinien, um modernen Kommunikationsmitteln Rechnung zu tragen.
  • Schulen Sie Ihre Teams in Bezug auf Datenschutz, Verhältnismäßigkeit und Datenverarbeitung.
  • Beziehen Sie frühzeitig im Ermittlungsprozess juristische und forensische Experten mit ein.
  • Dokumentieren Sie alles, um sich vor zukünftigen Herausforderungen zu schützen.

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