Wie fördert die digitale Meldung die Beteiligung von Hinweisgebern?

Die Wirksamkeit eines Whistleblowing-Programms lässt sich letztlich daran messen, ob es tatsächlich genutzt wird, und die digitale Meldemöglichkeit hat die Wahrscheinlichkeit einer Teilnahme erhöht.

Ein System, das zwar auf dem Papier existiert, aber keine Meldungen erhält, ist kein Zeichen für eine Organisation, in der es kein Fehlverhalten gibt – es ist vielmehr ein Zeichen dafür, dass es dem Programm nicht gelungen ist, das nötige Vertrauen oder die nötige Zugänglichkeit zu schaffen, um Menschen dazu zu ermutigen, sich zu melden. Digitale Meldekanäle haben die Situation grundlegend verändert, und die vorliegenden Forschungsergebnisse helfen zu erklären, warum.

Der Wandel hin zu digitalen Kanälen

Mehrere unabhängige Studien belegen mittlerweile eindeutig einen strukturellen Wandel hin zur digitalen Meldung. Der „2024 Report to the Nations“ der Association of Certified Fraud Examiners (ACFE), in dem über 1.900 Fälle in 138 Ländern analysiert wurden, ergab, dass webbasierte Meldemechanismen (40 %) Telefon-Hotlines (30 %) als häufigste Methode zur Übermittlung von Hinweisen auf Betrug überholt haben – zum ersten Mal in der Geschichte der Studie liegen digitale Kanäle an der Spitze. Im Vergleich dazu wurden die drei Hauptkanäle im Jahr 2020 noch in etwa gleichen Anteilen genutzt.

Dieser Wandel spiegelt allgemeine Veränderungen in der Art und Weise wider, wie Menschen kommunizieren. Digitale Kanäle sind rund um die Uhr verfügbar, können von jedem Gerät mit Internetverbindung aus genutzt werden und ermöglichen es den Meldenden, ihren Bericht in ihrem eigenen Tempo zu verfassen. Für jemanden, der überlegt, ob er ein ernstes Anliegen melden soll – oft in einem Moment großer persönlicher Unsicherheit –, senkt die Möglichkeit, einen Bericht zu verfassen, zu überprüfen und einzureichen, ohne dem Zeitdruck eines Live-Gesprächs ausgesetzt zu sein, die Hemmschwelle für die Teilnahme erheblich.

Anonymität als Motivationsfaktor für die Teilnahme

Studien zeigen immer wieder, dass die Angst vor Vergeltungsmaßnahmen das größte Hindernis für das Melden von Missständen darstellt. Digitale Kanäle gehen dieses Problem direkt an, indem sie eine wirklich anonyme Meldung ermöglichen – bei der die Identität des Hinweisgebers vom System nicht erfasst wird –, was bei Telefonanrufen, E-Mails oder persönlichen Meldungen nur schwer zu gewährleisten ist.

Die Daten der ACFE zeigen, dass anonyme Hinweise 15 % aller Betrugsmeldungen ausmachten und dass Unternehmen mit anonymen Meldestellen um 50 % geringere Betrugsverluste verzeichneten als solche ohne. Dies deutet stark darauf hin, dass die Möglichkeit der Anonymität nicht nur die Anzahl der Meldungen erhöht, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass schwerwiegendes Fehlverhalten aufgedeckt wird, bevor die Verluste eskalieren.

„Protect“, die führende britische Wohltätigkeitsorganisation im Bereich Whistleblowing, hat ähnliche Trends beobachtet. In ihrem „2025 Impact Report“ wurden 3.589 Fälle verzeichnet – ein Anstieg von 8 % gegenüber dem Vorjahr –, wobei die Organisation feststellte, dass ein erheblicher Anteil der Anrufer bereits versucht hatte, Bedenken intern anzusprechen, bevor sie sich an externe Stellen wandten. Dies deutet darauf hin, dass Menschen nach Alternativen suchen, wenn interne Kanäle kein Vertrauen erwecken. Digitale Kanäle, insbesondere solche, die von einem unabhängigen externen Anbieter betrieben werden, bieten eine glaubwürdige Alternative, bei der die Meldung innerhalb des Governance-Rahmens der Organisation verbleibt, anstatt an eine externe Aufsichtsbehörde oder die Medien zu gelangen.

Eine breitere und vielfältigere Belegschaft erreichen

Die digitale Meldemöglichkeit erweitert die Reichweite eines Whistleblowing-Programms auf Mitarbeiter, die sich andernfalls möglicherweise nicht daran beteiligen würden. Mehrsprachige Webportale beseitigen Sprachbarrieren für internationale Belegschaften. Über mobile Plattformen können Mitarbeiter an vorderster Front – im Einzelhandel, im Bauwesen, in der Logistik oder im Pflegebereich – Bedenken von ihren eigenen Geräten aus melden, ohne auf einen Arbeitsplatzcomputer zugreifen zu müssen. Da digitale Kanäle rund um die Uhr verfügbar sind, können Meldungen außerhalb der Arbeitszeiten, unter Wahrung der Privatsphäre und ohne das Risiko, belauscht zu werden, eingereicht werden.

Die „Freshfields Whistleblowing Survey 2023“, die in fünf Ländern durchgeführt wurde, ergab, dass der Anteil der Beschäftigten, die Bedenken an ihren direkten Vorgesetzten melden würden, zurückgegangen ist – von 46 % im Jahr 2020 auf 40 % im Jahr 2023. Gleichzeitig hat die Beteiligung an Whistleblowing in irgendeiner Form deutlich zugenommen. Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass zwar die Bereitschaft, sich zu äußern, zunimmt, die Beschäftigten jedoch zunehmend Kanäle wählen, die Unabhängigkeit von ihrer unmittelbaren Führungskette bieten. Digitale Meldestellen, die von externen Anbietern betrieben werden, füllen genau diese Lücke.

Digital bedeutet nicht, dass das Telefon überflüssig ist

Die Studie enthält zudem einen wichtigen Vorbehalt. Auch wenn digitale Kanäle mittlerweile das größte Volumen ausmachen, ist die Meldung per Telefon für einen erheblichen Teil der Belegschaft nach wie vor unverzichtbar. Der Whistleblowing-Benchmark-Bericht 2024 von Safecall ergab, dass jeder dritte Hinweisgeber es nach wie vor vorzieht, Bedenken telefonisch zu melden. Noch bedeutender ist, dass die Daten zeigten, dass 22,7 % mehr Hinweisgeber sich dazu entschlossen, ihren Namen zu nennen, wenn sie mit einem Call-Handler sprachen, als bei der Nutzung schriftlicher Kanäle – was darauf hindeutet, dass das Vertrauen und die Sicherheit, die ein persönliches Gespräch mit einem geschulten Fachmann vermittelt, zu größerer Offenheit ermutigt.

Diese Erkenntnis hat wichtige Auswirkungen auf die Gestaltung von Programmen. Digitale Kanäle verbessern die Beteiligung insgesamt, indem sie Zugangsbarrieren abbauen und Anonymität ermöglichen. Telefonische Kanäle – insbesondere solche, die von Fachkräften mit Erfahrung in der investigativen Befragung betreut werden – führen jedoch zu Meldungen, die detaillierter sind, mit größerer Wahrscheinlichkeit die Identität des Hinweisgebers enthalten und daher besser verwertbar sind. Die erfolgreichsten Whistleblowing-Programme bieten beides an und ermöglichen es den Hinweisgebern, den Kanal zu wählen, der ihren Umständen und ihrem Komfortniveau am besten entspricht.

Was die Forschungsergebnisse für Compliance-Beauftragte bedeuten

Die vorliegenden Erkenntnisse lassen mehrere praktische Schlussfolgerungen für Organisationen zu, die die Beteiligung an Whistleblowing-Meldungen verbessern möchten:

  • Digitale Meldekanäle sollten ein zentraler Bestandteil jedes Whistleblowing-Programms sein und nicht nur eine optionale Ergänzung zu einem rein telefonischen Dienst.
  • Es muss die Möglichkeit zur anonymen Meldung geben, und diese muss klar kommuniziert werden – die Daten der ACFE belegen den direkten Einfluss dieser Möglichkeit auf die Ergebnisse der Betrugsaufdeckung.
  • Telefonische Kanäle spielen nach wie vor eine entscheidende Rolle, insbesondere bei komplexen Anliegen und für Mitarbeiter, denen der persönliche Kontakt wichtig ist.
  • Der externe Betrieb von Meldekanälen fördert die Beteiligung, indem er das Vertrauensdefizit behebt, mit dem interne, vom Management gesteuerte Systeme zu kämpfen haben.
  • Die Verfügbarkeit über verschiedene Sprachen, Geräte und Zeitzonen hinweg erweitert die Reichweite des Programms auf die gesamte Belegschaft, nicht nur auf die Mitarbeiter im Büro.

Die Beteiligung ist kein festes Merkmal einer Belegschaft. Sie spiegelt unmittelbar wider, wie gut die Meldesysteme konzipiert, kommuniziert und gepflegt wurden. Digitale Kanäle ersetzen zwar nicht die Notwendigkeit einer unterstützenden Unternehmenskultur, bieten jedoch die zugängliche, vertrauliche und vertrauenswürdige Infrastruktur, ohne die selbst die stärkste Kultur die Bereitschaft nicht in Taten umsetzen kann.

Weiterführende Ressourcen

Wie Safecall helfen kann

Der Multi-Channel-Service von Safecall wurde entwickelt, um die Beteiligung an der Meldung zu maximieren. Unser sicheres Online-Portal bietet rund um die Uhr digitalen Zugang in über 175 Sprachen, während unsere Telefon-Hotline – besetzt von ehemaligen britischen Polizeibeamten mit jeweils mehr als 25 Jahren Erfahrung in der Befragung – die menschliche Interaktion bietet, die zu den detailliertesten und umsetzbarsten Meldungen führt. Mit ISO 27001-Zertifizierung, Datenspeicherung im Vereinigten Königreich und einer Kundenbindungsrate von 95 % bietet Safecall die Zugänglichkeit und das Vertrauen, die für eine effektive Beteiligung am Whistleblowing erforderlich sind.

Wenn Sie erfahren möchten, wie Safecall dazu beitragen kann, die Meldungsbereitschaft in Ihrem Unternehmen zu verbessern, wenden Sie sich bitte an unser Team oder rufen Sie uns an unter +44 (0) 191 516 7720.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Association of Certified Fraud Examiners (ACFE), „Occupational Fraud 2024: A Report to the Nations“ – Erkennungsraten von Hinweisen, bevorzugte Meldewege, Auswirkungen anonymer Meldungen – acfe.com
  • Protect (britische Wohltätigkeitsorganisation für Whistleblower), Wirkungsbericht 2025 – 3.589 Fälle, Trends im Jahresvergleich – protect-advice.org.uk
  • Freshfields Bruckhaus Deringer, Whistleblowing-Umfrage 2023 – Studie in fünf Rechtsordnungen zu Meldepräferenzen und Beteiligung – blog.freshfields.us
  • Safecall, Benchmark-Bericht zum Thema Whistleblowing 2024 – Bevorzugte Meldewege, telefonische vs. schriftliche Meldung, Identifizierungsrate der Hinweisgeber – safecall.co.uk
  • EU-Richtlinie 2019/1937 zum Schutz von Personen, die Verstöße gegen das Unionsrecht melden – eur-lex.europa.eu