Wie kann digitales Fallmanagement Ermittlungen optimieren?

Viele Organisationen wickeln Whistleblowing-Untersuchungen nach wie vor über ein Flickwerk aus E-Mail-Ketten, gemeinsam genutzten Laufwerken, Word-Dokumenten und Tabellenkalkulationen ab.

Für ein Compliance-Team, das jährlich nur eine Handvoll Fälle bearbeitet, mag dies noch überschaubar erscheinen. Doch mit steigendem Meldeaufkommen – Branchen-Benchmarkdaten, die über 2,15 Millionen Meldungen von mehr als 4.000 Organisationen weltweit umfassen, verdeutlichen das Ausmaß – treten die Grenzen manueller Prozesse deutlich zutage. Die Klärung von Fällen dauert länger, Informationen sind schwerer auffindbar, behördliche Fristen werden versäumt, und die Zeit des Compliance-Beauftragten wird eher von Verwaltungsaufgaben als von der eigentlichen Analyse in Anspruch genommen.

Das digitale Fallmanagement ersetzt diesen fragmentierten Ansatz durch eine einzige, speziell entwickelte Plattform, die Routineaufgaben automatisiert, einheitliche Prozesse sicherstellt und es den Compliance-Experten ermöglicht, sich auf die Aufgaben zu konzentrieren, die ihr Urteilsvermögen und ihre Fachkenntnisse erfordern.

Die versteckten Kosten manueller Prozesse

Die Ineffizienzen der manuellen Fallbearbeitung bleiben oft unsichtbar, bis etwas schiefgeht. Ein Bericht trifft per E-Mail ein und wird an den Compliance-Beauftragten weitergeleitet, der ihn auf einem gemeinsamen Laufwerk speichert, einen Eintrag in einer Tabelle erstellt und eine separate E-Mail zur Empfangsbestätigung versendet. Notizen zu Zeugenbefragungen werden in Word-Dokumente eingegeben und in einem Ordner gespeichert, der möglicherweise einer einheitlichen Namenskonvention folgt – oder auch nicht. Die in der EU-Whistleblowing-Richtlinie vorgeschriebene Frist von sieben Tagen für die Bestätigung wird in einem persönlichen Kalender verfolgt. Nachfass-Erinnerungen hängen davon ab, ob der Compliance-Beauftragte daran denkt, nachzuschauen.

Jeder dieser Schritte birgt Risiken: Die E-Mail wird versehentlich an den falschen Empfänger weitergeleitet, die Tabelle wird überschrieben, die Kalendererinnerung wird in einer hektischen Woche ignoriert oder die Fallnotizen eines ausscheidenden Kollegen lassen sich nicht auffinden. Abgesehen von individuellen Fehlern machen manuelle Prozesse es nahezu unmöglich, aussagekräftige Managementinformationen zu generieren. Wenn der Vorstand fragt, wie viele Meldungen im letzten Quartal eingegangen sind, wie lange die durchschnittliche Untersuchungsdauer betrug oder ob Fristen versäumt wurden, muss der Compliance-Beauftragte die Antwort manuell zusammenstellen – ein zeitaufwändiger Prozess, der selbst anfällig für Ungenauigkeiten ist.

Was sich durch das digitale Fallmanagement ändert

Zentrale Anlaufstelle

Eine digitale Plattform bündelt alle Meldekanäle – Telefon, Online-Portal, E-Mail, Brief – in einem System. Jede Meldung wird automatisch protokolliert, erhält eine eindeutige Referenznummer, wird mit einem Zeitstempel versehen und zur Triage in die Warteschlange gestellt. Es gibt keine manuelle Dateneingabe, keine doppelten Datensätze und kein Risiko, dass eine Meldung übersehen wird, weil sie über einen unerwarteten Kanal eingegangen ist. Wenn Callcenter-Mitarbeiter Meldungen von Anfang an mit der professionellen Kompetenz erfassen, detaillierte und strukturierte Berichte zu erstellen, ist die Qualität der in das System eingegebenen Informationen höher und es ist weniger Nachbearbeitung erforderlich.

Automatisierte Arbeitsabläufe

Konfigurierbare Arbeitsabläufe machen den Verwaltungsaufwand für die manuelle Weiterleitung von Fällen überflüssig. Sobald eine Meldung – nach Art, Schweregrad, Abteilung oder geografischem Gebiet – kategorisiert wurde, kann das System sie automatisch dem zuständigen Sachbearbeiter zuweisen, Bestätigungsbenachrichtigungen versenden, gesetzliche Fristen festlegen und Erinnerungen für Folgemaßnahmen planen. Fälle mit hoher Priorität können sofort an die Geschäftsleitung oder die Rechtsabteilung weitergeleitet werden, ohne dass abgewartet werden muss, bis der Compliance-Beauftragte sie geprüft und weitergeleitet hat.

Diese Automatisierung ersetzt nicht das menschliche Urteilsvermögen im Prozess, sondern entlastet den Compliance-Beauftragten von den damit verbundenen sich wiederholenden Verwaltungsaufgaben. Der Compliance-Beauftragte muss seine Zeit nun nicht mehr damit verbringen, E-Mails nachzugehen und Tabellen zu aktualisieren, sondern kann sich auf die inhaltliche Bewertung von Berichten und fundierte Entscheidungen zur Priorisierung konzentrieren.

Echtzeit-Transparenz

Ein zentralisiertes Dashboard bietet dem Compliance-Beauftragten – und bei entsprechenden Berechtigungen auch der Geschäftsleitung – einen Echtzeit-Überblick über jeden offenen Fall: dessen aktuellen Status, den zuständigen Ermittler, anstehende Fristen und etwaige überfällige Maßnahmen. Diese Transparenz verwandelt die Aufsicht von einer periodischen, rückblickenden Aufgabe in einen kontinuierlichen Prozess. Engpässe werden sichtbar, bevor sie zu Verzögerungen führen, und die Ressourcenzuweisung kann entsprechend der aktuellen Arbeitsbelastung angepasst werden, anstatt auf historischen Annahmen zu beruhen.

Quantifizierung der Effizienzsteigerungen

Die betrieblichen Vorteile des digitalen Fallmanagements kommen in jeder Phase des Untersuchungszyklus zum Tragen:

  • Erfassung: Durch automatisierte Protokollierung und Bestätigung entfällt die manuelle Dateneingabe, und die Zeit vom Eingang des Berichts bis zur ersten Maßnahme verkürzt sich von Stunden auf Minuten.
  • Triage: Eine standardisierte Kategorisierung und automatisierte Weiterleitung ersetzen die ad-hoc-Entscheidungsfindung per E-Mail und gewährleisten eine einheitliche Bearbeitung ähnlicher Meldungen.
  • Untersuchung: Durch die zentrale Speicherung von Beweismitteln, die Zuweisung von Aufgaben und die Verfolgung des Fortschritts werden Doppelarbeit vermieden und sichergestellt, dass bei komplexen Untersuchungen mit vielen Beteiligten nichts übersehen wird.
  • Abschluss: Durch die automatisierte Aufbewahrungsplanung wird sichergestellt, dass Fälle gemäß den Datenschutzbestimmungen archiviert oder gelöscht werden, ohne dass jede einzelne Datei manuell geprüft werden muss.
  • Berichterstattung: Managementinformationen , deren manuelle Erstellung Stunden dauern würde – Fallzahlen, Bearbeitungszeiten, Aufschlüsselungen nach Kategorien, Fristeinhaltungsquoten – stehen auf Knopfdruck zur Verfügung.

Für Organisationen mit kleinen Compliance-Teams sind diese Effizienzsteigerungen kein Luxus – sie machen den Unterschied zwischen einem funktionierenden Programm und einem Programm aus, das von seinem eigenen Verwaltungsaufwand erdrückt wird.

Konsistenz und Vertretbarkeit

Das digitale Fallmanagement bewältigt zudem eine weniger offensichtliche, aber ebenso wichtige Herausforderung: die Einheitlichkeit. Wenn jeder Fall demselben Arbeitsablauf folgt, denselben Fristenkontrollen unterliegt und im selben Format dokumentiert wird, kann das Unternehmen nachweisen, dass sein Whistleblowing-Programm fair und unvoreingenommen funktioniert. Diese Einheitlichkeit ist nicht nur für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften von Bedeutung, sondern auch für die interne Glaubwürdigkeit – Hinweisgeber und ihre Vertreter können erkennen, dass Bedenken unabhängig von den beteiligten Personen im Rahmen eines strukturierten, transparenten Prozesses behandelt werden.

Sollte ein Fall zu einem Disziplinarverfahren, einem Arbeitsgerichtsprozess oder einer behördlichen Untersuchung führen, bietet das im Fallmanagementsystem gespeicherte Untersuchungsprotokoll einen umfassenden und zeitnahen Überblick über jeden unternommenen Schritt. Dies ist eine wesentlich solidere Grundlage als die nachträgliche Rekonstruktion des Untersuchungsverlaufs anhand verstreuter E-Mails und Dokumente.

Den Übergang schaffen

Die Umstellung von manuellem auf digitales Fallmanagement erfordert keine umfassende Umgestaltung der Compliance-Funktion. Viele Unternehmen beginnen damit, eine Plattform parallel zu ihren bestehenden Prozessen einzuführen, wobei laufende Fälle in das neue System migriert werden, während ältere Fälle in ihrem bisherigen Format verbleiben. Der entscheidende Aspekt ist die Integration: Die Plattform muss Meldungen aus allen bestehenden Kanälen aufnehmen und in einen einheitlichen Workflow einbinden, den das Compliance-Team ohne spezielle technische Kenntnisse verwalten kann.

Die Wahl des Anbieters ist ebenso wichtig wie die Wahl der Plattform. Ein Anbieter, der die Technologie mit erfahrenen Callcenter-Mitarbeitern, einem etablierten Multi-Channel-Anrufannahmesystem und der operativen Infrastruktur kombiniert, um Unternehmen in verschiedenen Rechtsräumen zu unterstützen, bietet eine umfassendere Lösung als reine Software. Der Compliance-Beauftragte erhält nicht nur ein Tool, sondern eine Dienstleistung – eine, die den Verwaltungsaufwand verringert und gleichzeitig die Qualität und Konsistenz des Untersuchungsprozesses erhöht.

Weiterführende Ressourcen

Wie Safecall helfen kann

Der Service von Safecall wurde entwickelt, um Compliance-Teams den Verwaltungsaufwand zu ersparen und gleichzeitig jeden Aspekt des Untersuchungsprozesses zu stärken. Meldungen, die über unsere rund um die Uhr erreichbare Telefon-Hotline – besetzt von ehemaligen britischen Polizeibeamten mit jeweils über 25 Jahren Erfahrung in der Befragung – und unser sicheres Online-Portal eingehen, werden in eine einzige Fallmanagement-Plattform geleitet, die die Bestätigung automatisiert, Fristen nachverfolgt und eine Echtzeit-Überwachung ermöglicht. Safecall ist nach ISO 27001 zertifiziert, DSGVO-konform und verfügt über mehr als 25 Jahre operative Erfahrung. Damit bietet Safecall sowohl die Technologie als auch das Fachwissen, die für effektive Whistleblowing-Programme erforderlich sind.

Wenn Sie erfahren möchten, wie Safecall Ihr Untersuchungsmanagement optimieren kann, wenden Sie sich an unser Team oder rufen Sie uns an unter +44 (0) 191 516 7720.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Benchmark-Bericht zu Whistleblowing und Vorfallmanagement 2025 – Branchen-Benchmarking-Daten auf der Grundlage von 2,15 Millionen Meldungen aus über 4.000 Organisationen weltweit (Daten von 2024)
  • EU-Richtlinie 2019/1937 zum Schutz von Personen, die Verstöße gegen das Unionsrecht melden, Artikel 9, 11 – eur-lex.europa.eu
  • EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), Artikel 5 (Speicherbegrenzung) – gdpr-info.eu
  • Gartner, Bewertungen von Whistleblowing-Software 2025 gartner.com