Am heutigen Arbeitsplatz finden Gespräche nicht mehr nur in Besprechungsräumen oder per E-Mail statt. Sie finden zunehmend über WhatsApp, Signal, Snapchat und andere Messaging-Plattformen statt – von denen viele außerhalb des traditionellen Unternehmensökosystems liegen. Diese Veränderung hat tiefgreifende Auswirkungen darauf, wie Unternehmen Untersuchungen am Arbeitsplatz durchführen.
Während unseres letzten Webinars Hinter den Kulissen: Umgang mit WhatsApp, E-Mails und anderen digitalen Nachrichten bei Untersuchungen am Arbeitsplatz, nahmen über 740 Fachleute teil, um dieses sich schnell entwickelnde Thema zu erörtern. Allein die Teilnehmerzahl bestätigte unsere Vermutung: Dies ist eine Herausforderung, mit der sich viele auseinandersetzen müssen.
Warum Off-Channel-Kommunikation auf dem Vormarsch ist
Jim Vint, Geschäftsführer bei Secretariat, skizzierte fünf wesentliche Faktoren, die für den Anstieg der Off-Channel-Nachrichten verantwortlich sind:
- Bring Your Own Device (BYOD)-Kultur
Mitarbeiter nutzen zunehmend private Geräte für die Arbeit, wodurch die Grenzen zwischen privater und beruflicher Kommunikation verschwimmen. - Hybrid- und Remote-Arbeits
Informelle, schnelle Nachrichtenübermittlung ist zur Norm geworden, insbesondere bei Teams, die über verschiedene Standorte verteilt sind. - Geschwindigkeit und Komfort
Messaging-Apps bieten schnelle Antworten, Emojis und Eingabeaufforderungen – das macht sie attraktiver als herkömmliche E-Mails. - Verschlüsselung und kurzlebige Nachrichten
Tools wie WhatsApp und Signal fördern den Datenschutz durch verschwindende Nachrichten und End-to-End-Verschlüsselung, was den Nutzern oft ein falsches Gefühl der Sicherheit vermittelt. - Fehlende klare Richtlinien
Viele Organisationen verfügen noch immer nicht über solide Richtlinien für die Nutzung dieser Tools, was zu Lücken bei der Compliance und Überwachung führt.

Was dies für Ermittler bedeutet
Tim Smith, Betriebsleiter bei Safecall, erinnerte uns daran, dass digitale Beweise zwar sehr aussagekräftig sein können, aber nicht unfehlbar sind:
„Nur weil es digital ist, heißt das noch lange nicht, dass es das Evangelium ist.“
Ermittler müssen den Kontext, die Authentizität und die Vollständigkeit digitaler Nachrichten beurteilen. Eine einzelne WhatsApp-Nachricht, die aus dem Zusammenhang gerissen wird, kann genauso irreführend sein wie eine verblasste Erinnerung.
Darüber hinaus kann die schiere Menge an Daten aus Messaging-Apps die Ermittlungen überfordern. Ohne klare Grenzen besteht die Gefahr, dass Beweise selektiv ausgewählt oder wichtige Details übersehen werden.
Wie geht es nun weiter?
Der Aufstieg der Off-Channel-Kommunikation ist kein vorübergehender Trend – er ist eine neue Realität. Für HR-Teams, Rechtsberater und interne Ermittler bedeutet dies:
- Die Plattformen verstehen, die Ihre Mitarbeiter nutzen
- Aktualisierung der Richtlinien, um modernen Kommunikationsgewohnheiten Rechnung zu tragen
- Sicherstellung fairer, verhältnismäßiger und datenschutzbewusster Ermittlungen